Wirtschaft

Myanmar Wirtschaft

Die Historie der Wirtschaft Myanmars

Die vorkoloniale Wirtschaft des heutigen Myanmars bestand hauptsächlich aus Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgung). Der Großteil der Bevölkerung baute Reis an oder war mit anderen Formen von Landwirtschaft, wie Gemüseanbau und Ackerbau, beschäftigt. Durch seine geografische Lage war Myanmar schon immer ein strategisch wichtiger Punkt auf der Handelsroute zwischen China und Indien. 

Während der britischen Besatzung

Die traditionellen Verbindungen des Landadels und der Bauern wurde ab der Zeit der Kolonialherrschaft größtenteils unterbrochen. Während die Briten mit dem sogenannten laissez-faire Kapitalismus das Land regierten erlangte Myanmar durch Reisexport den Status des zweitreichsten Landes Südostasiens. Im Jahr 1948, als Burma die Unabhängigkeit wiedererlangte, galt das Land als weltweit stärkster Reisexporteur. 

Einführung des Sozialismus

In den fünfziger Jahren wurde der „buddhistische Sozialismus” eingeführt, mit dem der Schritt zurück zur Subsistenzwirtschaft gegangen werden sollte. Eine unabhängige aber nur fast autarke Wirtschaft, die nur geringen Außenhandel vorsah. Dies beinhaltete auch den Versuch das Wirtschaftswachstum mit staatlich geförderten sozialen Programmen zu verbinden. Das Programm „Pyidawtha” basierte auf der Idee eines Wohlfahrtsstaates. Die Menschen sollten ein ökonomisches Fundament bekommen, um auf Grundlage von buddhistischen Idealen ein spirituelles Leben führen zu können. 

1962 wurde nach dem Militärputsch eine rigide sozialistische Planwirtschaft eingeführt. Die Industrie wurde verstaatlicht und Selbstversorgung gefördert. Diese top-down strukturierte Wirtschaft verlangte eine gut funktionierende Bürokratie und isolierte Myanmar von fast allen globalen Märkten. Das Ziel war eigentlich die „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen”. Leider entwickelte sich das Programm zu einem wirtschaftlichen Fehlgriff, Nahrungsmittel mussten importiert werden um das Volk vor dem Verhungern zu schützen.

Zurück in die freie Marktwirtschaft

Mit der Übernahme der Militärjunta im Jahre 1988 kündigte Myanmar Reformen in der Marktwirtschaft an. Einigen Ausländern wurde erlaubt zu investieren um dem Land die erforderlichen Devisen zu bringen. Trotz der Inkonsequenz in der Durchführung des Wechsels der Wirtschaftsform kam es zu einem zehnprozentigen Wirtschaftswachstum nach dem Jahrtausendwechsel.

Die heutige Situation Myanmars

Die seit 2011 angestrebte Privatisierung der staatlichen Betriebe und die Öffnung des Landes für ausländische Investoren hat Myanmar ökonomisch einen Schritt nach vorne gebracht. Trotzdem ist das Wirtschaftswachstum mit etwa sieben Prozent im Jahr (2015 - 2017) und das durchschnittliche Jahres-Pro-Kopf-Einkommen von geschätzt ungefähr 1100 US Dollar sehr gering. Die Gründe dafür könnten an der schwerfälligen Bürokratie, der schlechten und vor allem alten Infrastruktur sowie Korruption liegen. Ausgeprägter illegaler Schwarzhandel mit Edelsteinen, Drogen und Edelholz tragen zur Schwächung der Wirtschaft Myanmars bei.

Land- und Forstwirtschaft

Obwohl mit nur 25 Prozent Beschäftigungsrate hält der Dienstleistungssektor heute mit über 40 Prozent den höchsten Anteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Dennoch ist die Landwirtschaft mit 38 Prozent Anteil am BIP der wichtigste Wirtschaftsbereich des Landes, sie beschäftigt fast drei Viertel der Bevölkerung. Mit dem Anbau von Reis, Hülsenfrüchten, Zuckerrohr und Hirse wird der Nahrungsmittelbedarf der Bevölkerung gedeckt. Außerdem ist Reis neben Erdnüssen, Baumwolle und Jute das am häufigsten exportierte Agrarprodukt Myanmars. Die Forstwirtschaft trägt mit Teakholz zum Export bei. Mehr als 70 Prozent des weltweiten Bedarfs an Teakholz kommen aus Myanmar. 

Nicht relevant für das BIP ist der Anbau von Mohn für den Drogenhandel. An den Grenzen zu Thailand und Laos befindet sich das Goldene Dreieck, das weltweit als Lieferant für Schlafmohn bekannt ist. Schlafmonsamen sind die Basis für die Herstellung von Opium und Heroin.

Bodenschätze

Trotz des Ressourcenreichtums Myanmars wird nur ein kleiner Teil an Bodenschätzen wie Erdöl, Eisenerze, Blei, Zink und Edelsteine abgebaut. Der Kachin Staat im Norden ist bekannt für seine immensen Jadevorkommen und andere Edel- und Halbedelsteine. 90 Prozent der weltweit verkauften Rubine stammen aus der Gegend rund um Mandalay.  

An anderen Plätzen Myanmars wird Gold mit verschiedenen Methoden abgebaut.

Die Erdgasvorkommen des Landes sind eine weitere Quelle des wirtschaftlichen Wachstums. In der Andamanensee sowie dem Golf von Martaban östlich des Ayeyarwady-Deltas gibt es Abbaufelder. Investoren und Nutznießer sind hier zum Beispiel die französische Gruppe Total, die amerikanische Chevron und einige südostasiatische Öl- und Gasproduzenten. Myanmars eigene Öl- und Gasindustrie, die „Myanma Oil and Gas Enterprise” (MOGE) hält ebenfalls Anteile an den Plattformen.

Export

Der Mammutanteil des Exporthandels wird in Yangon durchgeführt. Weitere Häfen wie Sittwe (Rakhine Staat), Mawlamyine (Mon Staat) und Pathein (Ayeyarwady Division) sind mit einem geringeren Anteil beteiligt. Das Großprojekt „The Dawei Special Economic Zone”, das als eines der größten Industriegebiete weltweit in Dawei (Mon Staat) geplant war, wurde 2016 von der neuen Regierung gestoppt. Das Industriegebiet sollte einen Tiefseehafen erhalten, sowie Anschluss an Thailand mit ausgebauten Straßen- und Zugverbindungen um den Export zu erleichtern. 

Außenhandelspartner Myanmars sind Indien, China, Südkorea und Japan sowie Thailand, Malaysia, Indonesien und Singapur. Myanmar ist eines von zehn Mitgliedern der Association of South-East Asian Nations (ASEAN) und der ASEAN-Freihandelszone (AFTA).

Sonderwirtschaftszonen

Das Industriegebiet „The Dawei Special Economic Zone” soll mit zwei weiteren Zonen, Thilawa bei Yangon und Kyauk Phyu im Rankhine Staat, als Sonderwirtschaftszone entwickelt werden. Für diese Sonderwirtschaftszonen sind spezielle Gesetze erarbeitet worden, die besonders interessant für Investoren sind. Die Vorteile reichen von langfristigen Pachtverträgen über Zollerleichterungen bis zu steuerlichen Vergünstigungen. Alle drei Sonderwirtschaftszonen sind schon teilweise in Betrieb.

Tourismus

Der Tourismus spielt in Myanmar wirtschaftlich gesehen noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch gedeiht diesem Wirtschaftszweig große Hoffnung an. In Kooperation mit der Asian Development Bank und der norwegischen Regierung entstand ein Tourismus-Masterplan, der bis 2020 den Ausbau eines umweltverträglichen und sozialen, bevölkerungsfreundlichen Fremdenverkehrs vorsieht.

Arbeitsmigranten

Schon während der sozialistischen Phase Myanmars gab es viele burmesische Seeleute. Auch heute setzt sich die Tendenz fort und einige Reedereien bilden Nachwuchs aus Myanmar aus. Der Nahe Osten, Malaysia, Singapur und vor allem Thailand beschäftigt mehrere Millionen Arbeitsmigranten, nicht nur in der Seefahrt. Man schätzt, dass etwa zehn Prozent der arbeitsfähigen Burmesen ihr Geld im Ausland verdienen. In den letzten Jahren hat sich daraus ein neuer Dienstleistungsbereich entwickelt: Agenturen, die myanmarische Arbeiter in das hauptsächlich asiatische Ausland vermitteln. Der Großteil des Lohnes kommt in der Regel den Familien in Myanmar zugute, wird in Myanmar ausgegeben und fließt damit trotzdem in das BIP ein. 

Lohnarbeit in Myanmar

Geschätzte 25 Prozent der myanmarischen Bevölkerung leben in Armut. Um Unruhen zu vermeiden und der Inflation und Armut entgegenzutreten einigten sich die Mitglieder der ASEAN Staaten auf die Zahlung von verbindlichen Mindestlöhnen. Außerdem wurden neue Arbeitsgesetze zum Schutz der Arbeitnehmerrechte erlassen. So können sich in Myanmar Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisieren, Arbeitgebern drohen Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr wenn sie Ihren Arbeitern die Teilnahme an Streiks untersagen. 

Der Mindestlohn wurde das letzte Mal 2018 auf 4800 Kyat pro Tag angehoben, dies entspricht etwa drei Euro. Einzig kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeiter sind von der Zahlung des Mindestlohns ausgenommen. Dennoch liegt Myanmar mit dem durchschnittlichen Monatslohn an drittletzter Stelle der ASEAN Länder. 

Die Arbeitslosenquote, die jahrelang bei geschätzten vier Prozent lag, hat sich seit 2016 nach unten entwickelt. Die letzte bekannte Quote liegt bei 1,6% der arbeitsfähigen Bevölkerung.

Entwicklungshilfe

Bis 1988 war Deutschland an der Entwicklungshilfe Myanmars beteiligt. Dadurch hatte das Land eine enorme Schuldenlast zu tragen. Der Pariser Club vermittelt als informelles Gremium zwischen Schuldnerland und Geberländern. In einem seiner Beschlüsse wurden Myanmar 2013 sechs Millionen Dollar, circa die Hälfte der Schulden an Deutschland erlassen. Seit 2012 engagiert sich Deutschland wieder mit der Förderung in der Privatsektor Entwicklung, Infrastruktur und im Bildungsbereich. Mehrere nichtstaatliche Organisationen (NGOs) und kirchliche Organisationen sind unterstützend in verschiedenen Bereichen der Entwicklungshilfe in Myanmar tätig. So wird zum Beispiel der Mikrofinanz-Bereich mit Mikrokrediten durch die Sparkassenstiftung gefördert. 

Aufgrund des Umgangs Myanmars mit der Rohingya-Minderheit hat die Regierung der Bundesrepublik Mitte 2020 vorerst aus der Entwicklungshilfe zurückgezogen.

Myanmars wirtschaftliche Zukunft

Die Modernisierung Myanmars wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sodass auch die Entwicklung der Wirtschaftskraft noch ein wenig dauern wird. Dennoch sind die Aussichten Myanmar wirtschaftlichen Aufschwung zu bringen durch innovative Ideen und Reformen seitens der aktuellen Regierung sehr positiv zu bewerten.  

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